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Basale Interaktion: Mehr Qualität statt Quantität - Online-Artikel "Die Schwester-der Pfleger"

Behandlung Basale Interaktion Kehrt/Schueppert

Online-Bericht Basale Interaktion:

Mehr Qualität statt Quantität

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Gerontologische Pflege

Seit drei Jahren wird die Basale Interaktion im Caritas-Altenzentrum St. Hedwig in Kaiserslautern umgesetzt. Profitiert haben davon nicht nur die Bewohner, sondern vor allem die Mitarbeiter selbst.

Was hat es mit diesem Konzept auf sich?

Vor drei Jahren fing alles an: Die Basale Interaktion zog in das Team des Caritas-Altenzentrums St. Hedwig in Kaiserslautern ein. Mittlerweile ist die anfängliche Skepsis der Begeisterung gewichen: „Wir sind dankbar dafür“, fasst Praxisbegleiterin Renate Kehrt ihre Erfahrungen mit dem Konzept zusammen. Angefangen hatte alles mit einem Ziel: „Wir wollten die Lebensqualität und das Wohlbefinden unserer Bewohner verbessern und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen“, erklärt Kehrt. Aus diesem Zielvorhaben entstand 2015 das Projekt „Basale Interaktion – Erlebnisorientierte Kommunikation bei Menschen mit Demenz“. Begleitet wurde es von Michael Meyer, dem Gründer des Konzepts.

Ein neues Teamverständnis

„Bei der Basalen Interaktion steht zuerst einmal der Anwender im Zentrum“, beschreibt Michael Meyer. Wer das Konzept umsetzen will, brauche neben Empathie auch den Mut, etwas anders zu machen, sich auf etwas Neues einzulassen. In Schulungen lernen die Pflegenden daher zuerst, ihren Selbstwert zu stärken und eine positive Haltung zu ihrer Arbeit aufzubauen. Es müsse einem selbst gut gehen und man müsse seine eigenen Fähigkeiten wertschätzen, sagt Meyer. Erst dann könne Stress abgebaut werden. Die eigene Zufriedenheit wirke sich dann unmittelbar auf die Bewohner aus: „Erst wenn man selbst entspannt und achtsam ist, kann man die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Bewohners erkennen und darauf eingehen“, erklärt der Coach. „Das tägliche Handeln muss zum Erlebnis werden.“ Das ist der erste Schritt. Diese Erfahrung machten auch Judith Schüppert und Renate Kehrt. Die gerontopsychiatrische Fachkraft und die Praxisbegleiterin waren von Projektbeginn an dabei. Zunächst wurden über ein Jahr hinweg Praxisbegleiterinnen ausgebildet. Danach wurde das ganze Haus geschult – inklusive Verwaltungsapparat. Seither hat sich vieles geändert: „Der Zusammenhalt im Team ist jetzt viel größer“, erzählen die beiden Pflegerinnen. „Das macht die Pflege viel einfacher, weil wir uns gegenseitig helfen.“ Man wisse einfach, dass jemand da ist. Das stärke einem den Rücken. „Heute schaffe ich das nicht, kannst du das bitte für mich übernehmen?“ – so eine Aussage sei jetzt kein Problem mehr.

Der zweite Schritt des Konzepts ist die Interaktion mit dem Bewohner. Hier konzentriert sich alles auf die vorhandenen Ressourcen. „Jeder Mensch kann etwas besonders gut“, betont Michael Meyer. Diese besonderen Fähigkeiten gelte es aufzuspüren und zu motivieren. „Eine Beziehung knüpft man am besten immer da, wo jemand etwas besonders gut kann oder sehr gerne mag.“ Am besten funktioniere das über Berührungen und Mobilisierungsbewegungen, die in kleinen, achtsamen Schritten gemeinsam aufgebaut werden.

Kleine Schritte, Zuwendung – braucht das nicht viel mehr Zeit? – Nein, ganz und gar nicht, sind sich Judith Schüppert und Renate Kehrt sicher. „Am Anfang dachten wir das auch“, erinnern sich die beiden Pflegerinnen zurück. „Aber mit der Zeit merkt man, dass dem nicht so ist. Weil man Basale Interaktion immer in sein Tun integrieren kann.“ Denn man müsse so oder so zu den Bewohnern. „Es war uns nur nicht bewusst, dass es zum Beispiel auch eine Interaktion ist, wenn man jemanden über den Kopf streicht.“ Solche kleinen Interaktionsschritte könne man immer integrieren. Früher sei die Dekubitusprophylaxe zum Beispiel standardmäßig gemacht worden, immer nach demselben Schema. Heute wird ein Gang ins Zimmer, um das Fenster zu öffnen, auch dazu genutzt, eine Mikrolagerung durchzuführen.

„Wenn alles ‚schnell, schnell‘ geht, sind der Bewohner und man selbst unzufrieden“, erklärt Renate Kehrt. Man brauche dann auch länger, weil es eventuell zu Ablehnung kommt. Handle man dagegen im Miteinander, mache der andere auch besser mit. „Jeder wird dort abgeholt, wo er sich gerade befindet. Der Bewohner bestimmt den Weg.“

Interaktion bewusst machen

Die Idee für das Konzept entstand aus der Not heraus: „Trotz vieler Schulungen zur Kommunikation in der Betreuung von Menschen mit Demenz fehlte es einfach an der Nachhaltigkeit“, erklärt Motivationstrainer Michael Meyer. Häufig würden Routinen im Alltag schlicht abgearbeitet. Das gemeinsame Handeln und Kommunizieren sei verloren gegangen.

Dieses Aufeinander-hören-und-achten soll mit der Basalen Interaktion wieder zurückgewonnen werden. Hilfsmittel dafür ist die nonverbale Kommunikation: „Es gibt vier internationale Sprachen, die jeder Mensch versteht“, sagt Michael Meyer. „Atem, Bewegung, Berührung und Musik.“ Bei der Basalen Interaktion spielen sie eine ganz zentrale Rolle, das weiß auch Judith Schüppert. „Wenn in der Biografie steht, dass der Bewohner gerne Schlager gehört hat, dann mache ich zum Beispiel während der Mobilisation diese Musik an. Dann können wir zum Beispiel gemeinsam langsam schunkeln und vielleicht rhythmisch zur Toilette gehen – denn dahin muss der Bewohner ja so oder so“, sagt die gerontopsychiatrische Fachkraft und lacht. Nur der Weg dorthin ist ein anderer. „Wir gehen aktiv auf die Menschen zu und können uns jetzt besser einfühlen“, so Schüppert. Die Auswirkungen nehmen Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen wahr. „Man merkt einfach, dass die Bewohner die Echtheit spüren“, ergänzt Renate Kehrt. Das wecke viele positive Ressourcen, gebe Kraft und Energie.

Wertschätzung als Ansporn

Am Caritas-Altenzentrum St. Hedwig ist das Konzept ein voller Erfolg: „In der Evaluation wurde die Stimmung im Team deutlich besser eingeschätzt“, erklärt Michael Meyer. Auch Arbeitszufriedenheit und Wertschätzung nahmen im Projektverlauf zu. Gerade Letzteres ist es, woraus Judith Schüppert und Renate Kehrt besonders schöpfen: „Man merkt, man ist nicht nur da, um irgendwas zu tun, sondern das, was man macht, ist unglaublich wichtig.“ Die Anerkennung von den Angehörigen, von den Kollegen und von den Chefs sei einfach super. „Wir sind seither im Haus zusammengewachsen“, verdeutlichen die Pflegerinnen.

Was ist Basale Interaktion?

Basale Interaktion ist erlebnisorientiert und stellt die Pflegefachperson und ihre Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt. Pflegende lernen zunächst in Schulungen ihren Selbstwert zu stärken und eine positive Haltung zu ihrer Arbeit aufzubauen.

Der Grundgedanke der Basalen Interaktion ist, dass nur eine entspannte und achtsame Pflegefachperson die Bedürfnisse und besonderen Fähigkeiten des Patienten gut erkennen und in der Umsetzung begleiten kann.

Im weiteren Prozess konzentriert sich Basale Interaktion dann auf die vorhandenen Ressourcen des Patienten und unterstützt diese mit bestimmten Berührungen, Bewegungen, Atemübungen oder Musik. Ziel ist, dass der Patienten wieder mehr Begeisterung für sein Leben entwickelt.

Neuesten Ergebnissen der Gehirnforschung zufolge ist das vor allem dann der Fall, wenn etwas Bedeutsames passiert, wenn einem etwas „unter die Haut geht“ oder man sich berührt fühlt. Dadurch werden im Gehirn die emotionalen Zentren aktiviert und es werden neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet, die sich positiv auf die eigene Begeisterungsfähigkeit auswirken.

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